1 00:00:00,000 --> 00:00:10,320 Mein Name ist Barbara Wittmann, ich bin Juniorprofessorin für Europäische Ethnologie an der Universität 2 00:00:10,320 --> 00:00:14,920 in Bamberg und beschäftige mich in meinen Forschungen vor allem mit den Themen Agro-Food 3 00:00:14,920 --> 00:00:19,560 Studies, d.h. Landwirtschaft und Ernährung, Kulturerbe und Nachhaltigkeit. 4 00:00:19,560 --> 00:00:25,440 Was Sie eben gerade im Video gesehen haben, ist ein Einblick in die Karpfenteichhwirtschaft, 5 00:00:25,440 --> 00:00:30,280 die in Franken, einer Region im deutschen Bundesland Bayern, historisch weit zurückreicht. 6 00:00:30,280 --> 00:00:35,480 Der im Filmausschnitt gezeigte Interviewpartner ist mit seinen Fischen sogar inmitten der 7 00:00:35,480 --> 00:00:37,520 Altstadt Bambergs zu finden. 8 00:00:37,520 --> 00:00:42,560 Allerdings sind weit mehr Lebewesen als Karpfen und Menschen in dieses Beziehungsgeflecht 9 00:00:42,560 --> 00:00:43,560 eingebunden. 10 00:00:43,560 --> 00:00:49,520 Die Studierenden der Europäischen Ethnologie, die das Video im Rahmen eines Multispecies-Projektes 11 00:00:49,520 --> 00:00:56,160 aufgenommen haben, konnten etwa von Fischreihern über Frösche, Libellen, verschiedene Wasserpflanzen, 12 00:00:56,160 --> 00:01:00,400 bis hin sogar zum Eisvogel, zahlreiche Bewohner und Besucher der Teiche einfangen. 13 00:01:00,400 --> 00:01:05,640 Die Karpfenteiche, die übrigens im nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes 14 00:01:05,640 --> 00:01:10,920 gelistet sind, prägen und prägten menschliches ebenso wie nicht menschliches Leben über 15 00:01:10,920 --> 00:01:11,920 Jahrhunderte hinweg. 16 00:01:11,920 --> 00:01:17,440 Sie sind daher ein wunderbares Forschungsfeld der Multispecies Studies, die ich Ihnen im 17 00:01:17,440 --> 00:01:19,200 Folgenden etwas vorstellen möchte. 18 00:01:19,200 --> 00:01:24,600 Aber lassen Sie mich kurz noch beim Karpfen bleiben, denn meistens ist es so, dass sich 19 00:01:24,600 --> 00:01:27,520 vom Beispiel aus die Theorie etwas besser verstehen lässt. 20 00:01:27,520 --> 00:01:33,680 Die Ausbildung des Teichwirtschaftssystems war eine Besonderheit des Spätmittelalters. 21 00:01:33,680 --> 00:01:37,240 Nach den ersten Pestwellen, also nach der Mitte des 14. 22 00:01:37,240 --> 00:01:42,560 Jahrhunderts, wurden in einem relativ breiten regionalen Gürtel von Böhmen, Polen und 23 00:01:42,560 --> 00:01:48,200 Schlesien über die Lausitz bis nach Franken, in die Oberpfalz hinein, aber auch nach Württemberg 24 00:01:48,200 --> 00:01:53,600 und bis nach Lothringen hinüber, also von Ost nach West, zahlreiche Fischteiche angelegt. 25 00:01:53,600 --> 00:01:56,520 Sie waren äußerst profitabel. 26 00:01:56,520 --> 00:02:00,600 Gerade in einer von religiösen Fest- und Fasttagen durchzogenen Gesellschaft, wie wir 27 00:02:00,600 --> 00:02:06,160 sie eben im Mittelalter hatten, stellte Fisch eine wichtige Fastenspeise dar und wurde auch 28 00:02:06,160 --> 00:02:10,600 an Freitagen gereicht, weil Fisch nicht unter das Fleischverbot fiel. 29 00:02:10,600 --> 00:02:16,520 Deshalb aßen gerade auch Stadtbewohner*innen, vor allem zwischen 1300 und 1500, sehr viel 30 00:02:16,520 --> 00:02:17,520 Fisch. 31 00:02:17,520 --> 00:02:22,920 Die Bedeutung der Teichwirtschaft ging aber nach 1500 wieder zurück, was sowohl mit 32 00:02:22,920 --> 00:02:27,280 klimatischen Einflüssen zu tun hatte, als auch vor allem mit dem Dreißigjährigen Krieg, 33 00:02:27,280 --> 00:02:34,760 der von 1618 bis 1648 reichte und infolge dessen eben sehr viele von diesen aufwendigen Teichanlagen 34 00:02:34,760 --> 00:02:36,960 auch zerstört worden waren. 35 00:02:36,960 --> 00:02:41,940 Dazu kommt aber auch, dass im Verlauf der frühen Neuzeit eher gewinnbringendere Getreidesorten 36 00:02:41,940 --> 00:02:46,020 angebaut wurden und die Teichflächen zu Ackerflächen umgewandelt wurden. 37 00:02:46,020 --> 00:02:52,180 Eine dieser wichtigen Teichwirtschaftsregionen war, wie gesagt, Franken. Und vor allem in Franken, 38 00:02:52,180 --> 00:02:56,860 aber auch in der Oberpfalz, einer Region in Ostbayern, hat sich eine landwirtschaftliche 39 00:02:56,860 --> 00:03:00,380 Bedeutung der Karpfenteichwirtschaft tatsächlich auch bis heute erhalten. 40 00:03:00,380 --> 00:03:06,780 Die Rolle des Karpfens für Franken spiegelt sich auch darin wieder, dass sie bzw. ihre 41 00:03:06,780 --> 00:03:11,260 spezifischen Bedürfnisse die Kulturlandschaft mitgeprägt haben. 42 00:03:11,260 --> 00:03:16,100 Zwar haben Menschen die Teiche angelegt, das jedoch immer mit Blick auf die notwendige 43 00:03:16,100 --> 00:03:21,940 Umwelt der Karpfen, womit diese also durch ihre Agency, d.h. durch ihre eigene Handlungsmacht 44 00:03:21,940 --> 00:03:26,020 ebenfalls zu Akteuren innerhalb dieses Beziehungsgeflechtes werden und wurden. 45 00:03:26,020 --> 00:03:33,260 Die europäische Ethnologin Michaela Fenske der Universität Würzburg schreibt dazu: "Die 46 00:03:33,260 --> 00:03:38,460 fränkischen Teichlandschaften des Aischgrundes, am Steigerwald oder im Süden Unterfrankens 47 00:03:38,460 --> 00:03:42,420 werden selbstverständlich als von Menschen gestaltete Kulturlandschaft benannt, 48 00:03:42,420 --> 00:03:49,380 sie sind jedoch zugleich Resultat der Aktivitäten vieler Lebewesen oder Materialitäten, mithin 49 00:03:49,380 --> 00:03:51,020 Kulturen-Naturen-Landschaften. 50 00:03:51,020 --> 00:03:56,980 Die Karpfen in Franken spielen dabei als unermüdliche Schwerstarbeiter im Untergrund eine zentrale 51 00:03:56,980 --> 00:04:01,900 Rolle, etwa indem sie die Teiche pflegen und damit deren Verlandung vorbeugen." 52 00:04:01,900 --> 00:04:08,340 Und etwas weiter: "Im gemeinsamen Werden und Machen bringen Karpfen Franken und Franken 53 00:04:08,340 --> 00:04:09,340 Karpfen hervor." 54 00:04:09,340 --> 00:04:15,100 Und eben dieses gemeinsame Wachsen und Werden ist ein ganz zentraler Ansatzpunkt der 55 00:04:15,100 --> 00:04:19,820 Multispecies Studies, ebenso wie die gerade bei Fenske angesprochenen Kulturen-Naturen, auf 56 00:04:19,820 --> 00:04:21,420 die ich auch gleich noch zu sprechen komme. 57 00:04:21,420 --> 00:04:28,620 Aber zunächst, was sind, bzw. was machen Multispecies Studies überhaupt? 58 00:04:28,620 --> 00:04:32,780 Im Mittelpunkt steht die sogenannte Dezentrierung des Menschen. 59 00:04:32,780 --> 00:04:37,900 Machtbeziehungen, Hierarchien und kulturell gezogene Grenzen zwischen Menschen und anderen 60 00:04:37,900 --> 00:04:40,140 Lebewesen werden grundlegend hinterfragt. 61 00:04:40,140 --> 00:04:46,100 Die Anfänge der entsprechenden Forschungen bezogen sich dabei vor allem auf das Mensch-Tier-Verhältnis. 62 00:04:46,100 --> 00:04:51,620 Als entscheidende tierethische Werke können hier etwa Peter Singers "Animal Liberation" 63 00:04:51,620 --> 00:04:57,620 von 1975 und Tom Regans "The Case for Animal Rights" von 1983 genannt werden. 64 00:04:57,620 --> 00:05:04,660 Und dieser Zeitraum der 1970er und der 1980er Jahre ist eben auch kein Zufall, denn als 65 00:05:04,660 --> 00:05:10,140 junge interdisziplinär ausgerichtete Disziplin entwickelten sich die Human-Animal Studies, 66 00:05:10,140 --> 00:05:15,900 hier ebenso wie andere sogenannte kritische, geistes- und sozialwissenschaftliche Ansätze, 67 00:05:15,900 --> 00:05:21,660 die sich, wie auch im Rahmen von Gender Studies oder Critical Race Theory, mit Macht und mit 68 00:05:21,660 --> 00:05:23,180 Ungleichheiten beschäftigten. 69 00:05:24,060 --> 00:05:29,100 Dies fiel in einer Zeit gesellschaftlicher Aufbrüche an den Universitäten, verbunden 70 00:05:29,100 --> 00:05:33,660 mit entsprechenden aktivistischen und mit bürgerrechtlichen Bewegungen, auch etwa der 71 00:05:33,660 --> 00:05:34,660 Frauenbewegung. 72 00:05:36,660 --> 00:05:42,020 Die Human-Animal Studies, bzw. später Multispecies Studies, etablierten sich aus einem 73 00:05:42,020 --> 00:05:46,820 immer stärkeren Bewusstsein für die ökologischen und für die klimatischen Probleme, seit vor 74 00:05:46,820 --> 00:05:48,020 allem Ende des 20. 75 00:05:48,020 --> 00:05:49,020 Jahrhunderts. 76 00:05:49,420 --> 00:05:55,540 Zentrales Anliegen der entsprechenden Forscher*nnen war und ist es auch heute, das Denken in Spezies-Hierarchien 77 00:05:55,540 --> 00:05:56,540 aufzubrechen. 78 00:05:56,540 --> 00:06:02,820 Das wird auch als Speziesismus bezeichnet, bei dem eben der Mensch als an der Spitze 79 00:06:02,820 --> 00:06:07,620 von Spezies-Hierarchien gedacht wird, wodurch wiederum Ausbeutung und auch Unterdrückung 80 00:06:07,620 --> 00:06:10,260 von nicht menschlichen Spezies legitimiert werden. 81 00:06:10,260 --> 00:06:16,820 Ein Name, der für die Multispecies Studies zentral ist, ist Donna Haraway. 82 00:06:17,140 --> 00:06:23,020 Als Forscherin bringt sie Natur und geisteswissenschaftliche Ansätze zusammen, was biografisch angelegt 83 00:06:23,020 --> 00:06:24,020 ist bei ihr. 84 00:06:24,020 --> 00:06:29,300 Haraway studierte nämlich sowohl Zoologie als auch unter anderem Philosophie, und sie 85 00:06:29,300 --> 00:06:35,140 verfasste zahlreiche interdisziplinäre Werke in den Bereichen feministischer, technikbezogener 86 00:06:35,140 --> 00:06:36,860 und eben auch ökologischer Forschungen. 87 00:06:36,860 --> 00:06:43,380 In ihrem 2003 erschienenen "Companion Species Manifesto" geht Donna Haraway vor allem auf 88 00:06:43,380 --> 00:06:46,260 das gemeinsame Werden verschiedener Lebewesen ein. 89 00:06:46,580 --> 00:06:51,540 Sie spricht hier eben nicht von Haus- oder Nutztieren, sondern von sogenannten Companion Species. 90 00:06:53,060 --> 00:06:58,660 Die Multispecies Studies stellen damit also eine Erweiterung der Human-Animal Studies dar. 91 00:06:58,660 --> 00:07:03,860 Und hier müssen wir auch einen kurzen Blick in die Ideengeschichte werfen, die für unsere 92 00:07:03,860 --> 00:07:09,180 Gesellschaft hier, die ja als westlich geprägt gilt, ganz zentral ist. 93 00:07:09,180 --> 00:07:14,100 Gerade im Zuge der Aufklärung hat sich nämlich der Gedanke einer sehr starken Trennung von 94 00:07:14,180 --> 00:07:16,020 Natur und von Kultur durchgesetzt. 95 00:07:16,020 --> 00:07:22,420 Und aus dieser Denkweise heraus sind sehr wirkmächtige Gegensatzpaare und Unterteilungen entstanden, 96 00:07:22,420 --> 00:07:27,500 sogenannte Dualismen, wie eben Mensch-Tier, aber auch Frau-Mann oder Körper-Seele. 97 00:07:27,500 --> 00:07:33,500 Dinge als miteinander verwoben zu betrachten, fällt uns daher eher schwer, weil wir mit 98 00:07:33,500 --> 00:07:38,020 dieser erlernten Sichtweise aufgewachsen sind und in unserem Kopf ständig diese Kategorien 99 00:07:38,020 --> 00:07:39,020 bilden. 100 00:07:39,220 --> 00:07:44,180 Statt klarer Einteilungen und Trennungen geht es aber in den Multispecies Studies gerade 101 00:07:44,180 --> 00:07:50,340 um Verflechtungen und um kontinuierliche Interaktionen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, Materialitäten 102 00:07:50,340 --> 00:07:52,100 oder auch mit technischen Instrumenten. 103 00:07:52,100 --> 00:07:59,780 Und dieses Denken in Netzwerken wiederum geht auf eine andere Theorie zurück, die für 104 00:07:59,780 --> 00:08:01,860 Multispecies-Ansätze grundlegend ist, 105 00:08:01,860 --> 00:08:07,260 nämlich die Akteur-Netzwerk-Theorie, bzw. kurz ANT, insbesondere mit ihrem Begriff 106 00:08:07,260 --> 00:08:08,260 der Agency. 107 00:08:08,940 --> 00:08:13,700 Der wichtigste in diesem Zusammenhang zu nennende Name ist Bruno Latour, ein französischer 108 00:08:13,700 --> 00:08:18,500 Soziologe und Philosoph, wenngleich natürlich auch weitere Forschende an der Ausarbeitung 109 00:08:18,500 --> 00:08:21,540 dieser Konzeptionen beteiligt waren und beteiligt sind. 110 00:08:21,540 --> 00:08:27,580 In der ANT stehen nicht einzelne Subjekte oder Objekte für sich genommen im Fokus, 111 00:08:27,580 --> 00:08:31,620 sondern ihre Wechselwirkungen mit und Abhängigkeiten von anderen Akteur*innen. 112 00:08:31,620 --> 00:08:38,100 Und eben durch diese Betonung der gegenseitigen Bedingtheit versucht die ANT bewusst, Hierarchien 113 00:08:38,100 --> 00:08:40,740 zu überwinden, die den Menschen an die Spitze stellen. 114 00:08:40,740 --> 00:08:46,940 Dadurch also der Begriff der Relation, der für diese Theorien auch verwendet wird, der 115 00:08:46,940 --> 00:08:51,820 die gegenseitigen Auswirkungen von Handlungen in ihrer Komplexität und auf verschiedensten 116 00:08:51,820 --> 00:08:52,820 Ebenen beleuchtet. 117 00:08:52,820 --> 00:08:57,500 Einbezogen werden dabei nicht menschliche Akteur*innen, ebenso wie menschliche, also 118 00:08:57,500 --> 00:09:04,740 etwa Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Viren, Bakterien, Pilze und auch unbelebte Gegenstände. 119 00:09:05,700 --> 00:09:11,500 Dabei geht es allerdings weniger um einzelne Akteure, einzelne Arten, einzelne Dinge, sondern 120 00:09:11,500 --> 00:09:13,780 um deren Beziehungen mit und untereinander. 121 00:09:13,780 --> 00:09:21,180 Ausgehend von Latour ist, Zitat, "jedes Ding, das eine gegebene Situation verändert, indem 122 00:09:21,180 --> 00:09:24,100 es einen Unterschied macht, ein Akteur." 123 00:09:24,100 --> 00:09:29,300 Agency lässt sich ins Deutsche also am ehesten als Handlungsfähigkeit bzw. Handlungsmacht 124 00:09:29,300 --> 00:09:30,300 übertragen. 125 00:09:30,700 --> 00:09:35,740 Und auch hier wieder, Agency haben potenziell alle an den untersuchten Prozessen beteiligten 126 00:09:35,740 --> 00:09:36,740 Akteur*innen. 127 00:09:36,740 --> 00:09:41,420 Wenn wir zurückgehen zu unserem Beispiel der Karpfenteichwirtschaft am Anfang, Agency 128 00:09:41,420 --> 00:09:46,180 hat hier also etwa auch eine Alge, weil sie sich immer weiter ausbreitet und einen Eingriff 129 00:09:46,180 --> 00:09:47,700 des Teichwirts evoziert. 130 00:09:47,700 --> 00:09:51,420 Agency hat aber auch der Fischreiher, der vielleicht bedingt, dass mehrere Jungfische 131 00:09:51,420 --> 00:09:54,380 nachgesetzt werden müssen, weil er sie als Nahrung für sich entnimmt. 132 00:09:54,380 --> 00:09:59,260 Und natürlich hat auch der Karpfen selbst Agency, für den ja überhaupt erst die Teiche 133 00:09:59,300 --> 00:10:04,100 in einer bestimmten Form angelegt wurden, weil er als Süßwasserbewohner bestimmte 134 00:10:04,100 --> 00:10:05,100 Bedürfnisse hat. 135 00:10:05,860 --> 00:10:12,100 Die ANT versucht eben durch dieses Deutlichmachen der gegenseitigen Beeinflussung nicht menschliche 136 00:10:12,100 --> 00:10:16,060 Akteur*innen aus ihrem Objektstatus und damit aus ihrer Passivität zu lösen. 137 00:10:16,740 --> 00:10:22,500 Und ganz wichtig, weil dies häufig missverstanden wird und falsch interpretiert, Agency heißt 138 00:10:22,500 --> 00:10:26,740 nicht, dass sogenannten nicht menschlichen Akteur*innen ein bestimmter Wille zugeschrieben 139 00:10:26,740 --> 00:10:29,020 wird, eine bestimmte Intention zugeschrieben wird, 140 00:10:29,340 --> 00:10:34,660 sondern ihre Handlungsfähigkeit und Macht in Bezug auf diese Beziehungsebenen fokussiert 141 00:10:34,660 --> 00:10:35,660 wird. 142 00:10:36,420 --> 00:10:41,420 Donna Haraway bezieht zentrale Ansätze aus der ANT, auch bei ihrer Ausarbeitung des 143 00:10:41,420 --> 00:10:43,180 Naturen-Kulturen-Konzeptes. 144 00:10:43,540 --> 00:10:48,180 Und damit möchte sie das gemeinsame Werden von Menschen und anderen Spezies als Ko-Evolution 145 00:10:48,180 --> 00:10:49,180 verdeutlichen. 146 00:10:49,780 --> 00:10:55,460 Sie denkt Natur und Kultur als kollektiv, als sich gegenseitig, ständig neu bildende 147 00:10:55,620 --> 00:10:59,700 Beziehungsebenen zwischen menschlichen und nicht menschlichen Akteur*innen. 148 00:11:00,500 --> 00:11:05,900 Haraway beschreibt dieses Verständnis einer, in Anführungszeichen, "more than human world", 149 00:11:06,020 --> 00:11:07,940 als gemeinsames "becoming with". 150 00:11:09,580 --> 00:11:13,940 Wichtig ist dabei aber zu betonen, dass, wie die Begriffe vielleicht auch missverstanden 151 00:11:13,940 --> 00:11:19,420 werden könnten, Natur bei ihr, wie generell in den Multispecies Studies, eben nicht romantisch 152 00:11:19,420 --> 00:11:24,100 verklärt wird oder überhöht wird, sondern widerständig ist und unberechenbar bleibt. 153 00:11:24,980 --> 00:11:29,380 Vielmehr gehen die vorgestellten Ansätze stets auch mit einer beständigen und mit einer 154 00:11:29,380 --> 00:11:31,180 notwendigen Neujustierung einher, 155 00:11:31,900 --> 00:11:35,020 und auch Neubestimmung dessen, was es heißt, Mensch zu sein, 156 00:11:35,460 --> 00:11:39,820 und zwar gerade in einer Zeit der Vielfachkrisen, in der immer deutlicher wird, dass unser 157 00:11:39,820 --> 00:11:43,020 Handeln Auswirkungen hat auf zahlreiche andere Spezies.